Willkommen zurück! Im ersten Teil haben wir uns angeschaut, warum Schokodrops beim Backen nicht einfach zerlaufen, sich flüssig vom Acker machen: Sie haben ein unsichtbares Klettergerüst aus festen Bestandteilen, das ihnen Halt gibt. Jetzt geht's ans Eingemachte: Warum schmilzt normale Tafelschokolade eigentlich so viel leichter?
Der Trick mit dem Schmelzen
Kennst du das, wenn du eine Tafel Schokolade zu lange in der Hand hältst und sie ratzfatz weich wird? Das liegt an der Kakaobutter in der Schokolade, die schon bei Körperwärme schmilzt. Deshalb zergeht diese Form von Schokolade auch so wunderbar auf der Zunge.
Schokodrops ticken da anders: Weil sie meist weniger Kakaobutter enthalten und mehr von ihrem festen Klettergerüst mitbringen, werden sie in deiner warmen Hand nicht so schnell weich wie normale Tafelschokolade. Im heißen Backofen wird natürlich auch die Kakaobutter in den Schokodrops weich und beginnt zu schmelzen. Aber selbst dann hält das feste Klettergerüst noch alles recht gut zusammen.
- FORSCHUNG: Du kannst mal einen Test machen: nimm in eine Hand ein kleines Stück einer Tafel Schokolade und in die andere 1-2 Schokodrops. Schließe beide Hände für 30 Sekunden. Du wirst dich wundern, was da passiert. Luis macht den Test immer wieder mal, um zu sehen, ob sich etwas geändert hat. Nein, hat es nicht!
Die Ritterrüstung aus Schokolade
Man kann sich das Klettergerüst auch wie eine kleine Ritterrüstung vorstellen, die den Schokodrops zusätzlichen Halt gibt. Verstärkung bekommen sie dabei sogar von zwei Seiten:
- Von innen – Manche Schokodrops enthalten Stoffe, die dabei helfen, Fett und andere Bestandteile der Schokolade gut miteinander zu verbinden (Emulgatoren, zum Beispiel Lecithin). Das sind quasi die Wachen auf der Burgmauer, die darauf achten, dass in der Burg alle sicher sind.
- Von außen – Hilft der Cookie-Teig: Er hält die Schokodrops an ihrem Platz und schützt sie zusätzlich vor der direkten heißen Luft im Backofen.
Der Schwamm-Effekt beim Reinbeißen
Klettergerüst, Rüstung und Wachen sorgen also gut dafür, dass die Schokodrops in Form bleiben. Ganz unversehrt bleiben sie am Ende aber doch nicht: Genau das erlebst du, wenn du in ein noch leicht warmes Cookie beißt. Von außen sehen die Schokodrops fast noch genauso aus wie vorher, aber innen ist die Schokolade wunderbar weich.
Fast wie bei einem vollgesogenen Schwamm, der seine Form behält, solange niemand draufdrückt. Erst wenn Druck dazukommt, so wie beim Reinbeißen, gibt die weiche Struktur nach, und die warme Schokolade verteilt sich im Mund.
Und genau das macht Schokodrops so genial im Cookie! Wenn du normale Tafelschokolade in Stückchen schneidest und in den Teig gibst, schmeckt das natürlich auch super. Sie verläuft aber meist stärker und kann kleine Schokoseen im Cookie bilden. Back-Schokodrops hingegen bleiben eher kleine, weiche Schokoladeninseln. Werden die Cookies gekühlt, wird auch die Kakaobutter in den Schokodrops wieder fest. Deshalb schmecken Cookies aus dem Kühlschrank oft noch besser, wenn du sie vor dem Essen etwas bei Raumtemperatur stehen lässt. Dann werden auch die Schokodrops wieder weicher.
Ich wollte die Schokodrops übrigens dabei erwischen, wie sie heimlich ihr Klettergerüst aufbauen. Deshalb habe ich mich mit einer Stoppuhr vor den Backofen gestellt, reingeguckt und laut von zehn rückwärts gezählt.
Die Schokodrops haben sich aber nicht erwischen lassen. Sie sind einfach weiter entspannt im Backofen gesessen, und mir kam sogar vor, als hätten sie mich dabei noch frech angesehen.
Die Aras sagen, ich bin auf die Schokodrops reingefallen! Blöde Schokodrops! TZZZZ.