Es war ein ganz normaler Backtag in Crumbles Cookie-Werkstatt. Crumble wollte konzentriert ein paar Cookies backen. Keine Experimente. Keine neuen Erfindungen. Kein Chaos. Keine Ablenkung.
Das dachte er zumindest.
Crumble hatte gerade alle Zutaten vorbereitet, da kamen die Aras vorbei.
„Zu viel Mehl!“, rief der eine.
„Zu wenig!“, der andere.
„Aber ich habe das Mehl doch noch gar nicht in der Hand gehabt!“, protestierte Crumble.
Sein Einwand blieb ungehört, das Mehl war falsch. Die beiden wussten grundsätzlich alles besser und mischten sich überall ein.
Crumble hatte gerade Butter und Zucker gemixt. Es ging alles gut, der Mixer benahm sich. Kein klebriges Zeug an der Decke oder an seiner Schürze. Er dachte gerade, welch großartiger Meister des Mixers er doch war …
… als Luis vorbeikam. „Nur kurz“, meinte er. Dann fiel sein Blick in die Rührschüssel. „Ist das nicht viel zu wenig?“, meinte er entsetzt.
Crumble sah erst in die volle Rührschüssel und dann zu Luis. „Das ist für 48 Cookies!“
„Eben“, meinte Luis besorgt. Er blieb sicherheitshalber doch noch etwas länger da und beschloss, Crumble ein wenig zu helfen.
Deshalb griff Luis nach dem kleinen Mehlsack und reichte ihn Crumble.
„Das Mehl brauche ich noch nicht“, meinte dieser geduldig.
„Okay, auch gut“, sagte Luis achselzuckend und wollte den Mehlsack wieder an seinen Platz stellen.
Dabei stieß er mit dem Ellenbogen gegen die Rührschüssel.
RUMMS.
Die Schüssel fiel vom Tisch.
Meine Güte! Das konnte doch unmöglich wahr sein! Die größte Katastrophe der Cookie-Geschichte! Oder sogar noch viel größer! Das Butter-Zeug klatschte auf den Boden, spritzte in alle Richtungen und eroberte innerhalb weniger Sekunden die halbe Küche. Ganz so, als hätte es nur darauf gewartet, endlich die Herrschaft über Crumbles Cookie-Werkstatt zu übernehmen. Und es schien irgendwie zwanzigmal mehr zu sein, als überhaupt in die Schüssel passen konnte. Ein riesiger Batzen des klebrigen, rutschigen Zeugs landete auch auf Crumbles Füßen.
Für eine Schrecksekunde herrschte absolute Stille in Crumbles Cookie-Werkstatt. Aber nur für eine.
„Tolle Schuhe!“, rief dann sofort einer der Aras und kicherte.
„So fluffig!“, ergänzte der andere unmittelbar, kicherte natürlich auch.
Crumble überlegte. Vielleicht könnte man ja wirklich Schuhe aus weichem Teig machen?
„Da würde man auch keine Blasen bekommen“, meinte Luis überzeugt.
„Wir erleben gerade die historische Erfindung blasenfreier Schuhe!“, warf einer der Aras ein. Es war nicht klar, ob er es ernst meinte oder sich lustig machte.
Crumble nickte. Das stimmte! Vielleicht könnte man die Schuhe innen noch mit Creme füllen. Für besonders weiche Füße.
„Und außerdem wäre hier ohne uns das reinste Chaos“, ergänzte der andere völlig von seiner Rolle als genialer Koordinator der Cookie-Werkstatt eingenommen.
Nachdem Crumble die Sauerei beseitigt hatte, blieb ihm nichts anderes übrig, als Butter und Zucker nochmal fluffig zu mixen. Dann gab er die restlichen Zutaten dazu und mixte alles kurz zu einem weichen Cookie-Teig.
Crumble sah sich den Teig in der Rührschüssel genauer an. Die Schokodrops waren ziemlich ungleichmäßig verteilt. Das musste er sofort ändern! Er pickte die, die zu nahe aneinanderlagen, heraus und aß sie aus reiner Fairness gegenüber dem Teig gleich auf. Qualitätskontrolle eben.
Gerade als er begann, die Cookies zu formen, tauchte Diego mit seinen 3.000 Zähnen aus dem Nichts auf. Wie machte er das nur? Jetzt war er schon da, bevor die Cookies überhaupt fertig waren. Merkwürdig. Alle hielten wie immer Abstand zu ihm, weil ihnen seine – vielleicht doch 4.000 – Zähne nicht geheuer waren.
Crumble verteilte 12 Teigkugeln auf dem Backblech, drückte sie gerade flach ...
„Zu groß“, mischte sich einer der Aras ein.
„Zu klein“, der andere.
Crumble betrachtete die Cookies am Backblech. „Die sind doch alle gleich groß“, erwiderte er leicht genervt.
„Siehst du!“, sagten die beiden gleichzeitig und mit Nachdruck.
Crumble ignorierte die unmöglichen Aras und gab das erste Backblech in den Backofen. Nach kurzer Zeit breitete sich der wunderbare, warme Duft der Kakao-Cookies mit Schokodrops in der Küche aus. Die Ungeduld von allen stieg. Dann war es so weit, die Cookies waren fertig, Crumble zog Ofenhandschuhe über und nahm das Backblech wieder aus dem Backofen. Vorsichtig stellte er es auf den Küchentisch. Der unwiderstehliche Duft erfüllte nun nicht nur die Küche, sondern die ganze Umgebung.
„Ich esse gleich eins“, meinte Luis erwartungsvoll.
Die Aras zischten entsetzt. „Dann verbrennst du dir Pfoten und Mund!“
„Genau, du musst warten, bis sie ausgekühlt sind“, bestätigte Crumble.
„Dieses blöde Auskühlen!“, empörte sich Luis ärgerlich.
Diego setzte sich unvermittelt neben das Backblech.
„Nur damit nichts passiert“, erklärte er.
Niemand hatte ihn darum gebeten. Alle waren misstrauisch.
Crumble schob das zweite Backblech in den Ofen. Zwei weitere würden noch folgen. Dann drehte er sich wieder zu den Cookies auf dem ersten Backblech um. Moment mal, da fehlten doch welche! Er zählte die Cookies. Dann zählte er sie noch einmal.
Tatsächlich: drei fehlten!
Alle sahen Diego an.
„Diego, hast du etwa die Cookies gegessen?“, fragte Luis.
„Äääääh … Nein! … Also … Irgendwie nicht!“, antwortete er, während er gerade irgendetwas runterschluckte. „Es war nämlich so …“
Dann erklärte er, dass genau diese drei Cookies leider sehr ungünstig auf dem Backblech gelegen hätten. Das ganze Backblech sei dadurch in großer Gefahr gewesen. Er habe sofort handeln müssen. Eine Rettungsaktion sei unausweichlich gewesen.
Hmm? Das klang doch total logisch und besonders vernünftig. Absolut überzeugend!
„Und ich würde es ganz selbstlos jederzeit wieder tun“, versicherte Diego heldenhaft. Alle bewunderten ihn für seinen Mut.
Die Aras diskutierten nun darüber, wie logisch Backbleche eigentlich seien. Luis, der immer noch da war, lag mittlerweile auf dem Sofa und rieb seinen cookievollen Bauch. „Ich bleibe nur noch ganz kurz“, meinte er wieder. Wann genau er so viele Cookies gegessen hatte, wusste niemand. Diego pulte mit einem Zahnstocher letzte Krümel aus seinen 5.000 Zähnen. Merkwürdig. Es waren immer mehr, wenn er den Mund ganz offen hatte.
„Na also“, sagte Luis zufrieden. „Ein ganz vernünftiger, ruhiger Backnachmittag. Gut, dass wir da waren, sonst wäre sicher das reinste Chaos ausgebrochen.“
Alle nickten zustimmend. Es war ein ganz normaler Backtag in Crumbles Cookie-Werkstatt. Oder siehst du das anders?